Retrofit – die Alternative zur Neuinvestition
Seit vielen Jahren verfolgt Phoenix Contact das Ziel, die Energieeffizienz ihrer Galvanikanlage kontinuierlich zu steigern. Nun hat das Unternehmen gemeinsam mit der Richard Tscherwitschke GmbH ein umfassendes Retrofit-Projekt umgesetzt, das die seit über 30 Jahren eingesetzten Trockner fit für die Zukunft macht.
„Ein kompletter Austausch der Trockner hätte einen längeren Produktionsausfall bedeutet“, erklärt Meik Tappe, Anlagen- und Prozessoptimierer bei Phoenix Contact. „Dank der Retrofit-Maßnahmen konnten wir dennoch mit der bestehenden Anlagentechnik die Energieeffizienz deutlich steigern.“
Die Maßnahmen im Detail:
- Intelligente Abluftsteuerung: Gemeinsam mit der Richard Tscherwitschke GmbH wurde zunächst eine feuchtigkeitsgeregelte Abluftsteuerung in die Trockner integriert. Der vorher manuell einstellbare Klappenmechanismus wird nun motorisch angetrieben und über die Abluftsteuerung gesteuert. So kann zu Beginn des Trocknungsprozesses die feuchte Luft schneller entweichen. Sobald eine bestimmte relative Feuchtigkeit erreicht ist, schließen die Klappen automatisch, damit die trockene Luft und die Wärmeenergie im Trockner verbleiben. Der Energieverbrauch reduziert sich dadurch sehr deutlich um 10 bis 15 %.
- Leistungsstärkere Ventilatoren: Der Einsatz neuer, über Frequenzregler steuerbarer Ventilatoren verbessert die Luftumwälzung und beschleunigt den Energieübertrag auf die Ware. Durch die Frequenzregelung kann die Leistung und der Energieverbrauch der Ventilatoren optimiert werden. Beim Ein- und Ausfahren der Trommelaggregate wird die Leistung zurückgefahren, wodurch sich der Energieverbrauch und auch der Schallpegel erheblich reduzieren.
- Automatisch verfahrbare Deckel: Die Trocknerkammern wurden bisher offen ohne Deckel betrieben. Dadurch konnte sehr viel Wärme ungenutzt entweichen. Im Zuge der Modernisierung wurde der Trockner mit automatisch verfahrbaren Deckeln ausgestattet und nun wird die Wärme im Trockner gehalten, was ebenfalls zur Reduzierung des Energieverbrauchs beiträgt.
- Neue Trommeleinsätze und optimierte Wasserabführung: Die neuen Trommeleinsätze optimieren die Luftführung durch die Galvanisiertrommeln. Zudem wurden sie durch konstruktive Maßnahmen verbessert, was die Lebensdauer erhöht und den Wartungsaufwand reduziert. Dank optimaler Luftführung wird das an der Ware und der Trommel anhaftende Wasser abgesaugt und vom Luftstrom mitgerissen. Die Geometrie der neuen Trommeleinsätze ermöglicht es zudem, dass Flüssigkeitsfracht schnell und effizient aus dem Trockner abgeführt wird. Schließlich gilt: Je mehr eingetragene Flüssigkeit direkt abgeführt wird, desto besser: denn sie muss nicht mehr getrocknet werden – ein wesentlicher Schritt zur Energieeinsparung.
Retrofit statt Neubau – eine bewusste Entscheidung
Die bei Phoenix Contact verwendeten Trockner sind zentral in der Anlage positioniert. Ein Austausch hätte den Ausbau angrenzender Komponenten erfordert und wäre mit langen Stillstandzeiten verbunden gewesen. „Retrofit war für uns die wirtschaftlich und technisch sinnvollste Lösung“, betont Meik Tappe. „Wir konnten die Modernisierung im laufenden Betrieb umsetzen. Zudem wird sich die Investition schnell amortisieren.“
Fazit der Trockner-Modernisierung
Mit der Modernisierung der Trockner setzt Phoenix Contact ein starkes Zeichen für nachhaltige Produktion in der Galvanik. Die Trockner können nun energieeffizienter betrieben werden, sind besser steuerbar und können mit aktuellen Ersatzteilen versorgt werden. Das Referenzbeispiel zeigt, wie Retrofit-Maßnahmen eine Alternative zum Neukauf bieten können – insbesondere dann, wenn die bestehende Anlagenstruktur erhalten bleiben soll.
>> zum Artikel aus der Galvanotechnik 07/2026

Über die Phoenix Contact-Gruppe
Unter einer globalen Dachmarke bietet Phoenix Contact innovative Produkte, Lösungen und Digitalisierungskompetenzen für die Elektrifizierung, Vernetzung und Automatisierung aller Sektoren von Wirtschaft und Infrastruktur. Damit befähigt das Familienunternehmen die Industrie und die Gesellschaft bei der Transformation in eine nachhaltige Welt mit langfristigen Wachstumsperspektiven für alle. Das Kerngeschäft ist in drei Geschäftsbereichen organisiert. In neuen Geschäftsfeldern werden auch jenseits des Kerngeschäfts Potenziale der Digitalisierung, Elektrifizierung und der veränderten Mobilität erschlossen.
Phoenix Contact beschäftigt heute rund 20.000 Mitarbeitende und hat in 2025 einen Umsatz von 3,3 Mrd. Euro erwirtschaftet. Weltweit wird in einem Fertigungsnetzwerk in neun Ländern mit unterschiedlich hoher Fertigungstiefe produziert. Zur Phoenix Contact-Gruppe gehören weltweit mehr als 50 Vertriebsgesellschaften, welche die Nähe zu den Märkten und den Kunden sicherstellen.
www.phoenixcontact.com
Über die Richard Tscherwitschke GmbH
Die Richard Tscherwitschke GmbH ist ein marktführender Hersteller von Galvanisiertrommeln und ‑aggregaten und baut seit über 40 Jahren eigene Trommeltrockner für Oberflächenbehandlungsanlagen. Trommel- und Trocknungstechnik sind dabei ideal aufeinander abgestimmt, zum Beispiel bei der Luftführung, der Luftmengensteuerung und der warenschonenden Trommelbewegung. Der Fokus liegt dabei auf der individuellen Anpassung des Trocknungssystems an die Kundenanforderungen, der optimalen Auslegung und der größtmöglichen Energieeinsparung. Im Versuchszentrum der Richard Tscherwitschke GmbH werden dazu Trocknungstests für Kunden durchgeführt. Die Ergebnisse dienen der Auslegung des Trocknungssystems und geben Sicherheit bei der Planung und Investition.
www.tscherwitschke.com/galvadry